Der Krieg im Untergrund.
Zur Tätigkeit der Spionage-, Sabotage- und Terrororganisationen im kalten Krieg gegen die DDR

Für den Imperialismus wurden nach dem zweiten Weltkrieg die Subversion und Diversion zu Hauptwaffen im kalten Krieg. Diese Erscheinung wurzelte im Charakter des kalten Krieges selbst, in seinem Wesen und seinen Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit dem Sozialismus. Auf dem Gebiet der Subversion diente der kalte Krieg im Zeichen des „containment“ und später beträchtlich intensiviert und ausgedehnt unter der Losung der „liberation“ der Inszenierung konterrevolutionärer Umsturzversuche und der Vorbereitung einer Aggression gegen die sozialistischen Staaten.

Die sozialistische Welt, aber auch junge Nationalstaaten und selbst bürgerliche Länder, in denen fortschrittliche Kräfte bedeutende Positionen innehatten, sahen sich mit der permanenten Gefahr von Umsturzversuchen und militärischen Interventionen des Imperialismus konfrontiert. Die zunehmende Aktivität des Untergrundkrieges, die in der Hauptstoßrichtung auf die sozialistischen Staaten zielte, resultierte aber andererseits gerade aus der Tatsache, daß
die neue Qualität des internationalen Kräfteverhältnisses zwischen Imperialismus und Sozialismus die aggressionsbereiten Kräfte in zunehmendem Maße mit dem Risiko des eigenen Unterganges belastete. Darin fanden auch auf diesem spezifischem Gebiet die allgemeine Krise und die historische Defensivposition des Imperialismus ihren Ausdruck.

Die Anwesenheit sowjetischer Truppenverbände in den sozialistischen Staaten verringerte die Chancen der antisozialistischen Kräfte, das verlorene Terrain zurückzuerobern. in beträchtlichem Maße.

Bei einem klaren Übergewicht dieser Faktoren waren jedoch auch bestimmte Umstände vorhanden, welche objektiv die Führung des subversiven Krieges begünstigten. Dazu gehörte das zeitweilige Fortbestehen von Ausbeuterschichten in den sozialistischen Staaten, wie der Großbauern und Großhändler, der Existenz eines kapita¬listischen Sektors in der Industrie, privater Einzelhändler und an¬derer Bevölkerungsgruppen, die dem Aufbau des Sozialismus län¬gere Zeit ablehnend oder gar feindlich gegenüberstanden. Auch be¬stimmte klerikale Kreise gehörten dazu.

Reaktionäre Ideologien waren noch nicht aus dem Bewußtsein der breiten Massen ver¬drängt, und nicht zu unterschätzende Reste des Antikommunismus und Antisowjetismus waren vorhanden, mit deren Konservierung und Wiederbelebung die imperialistische Politik eifrig beschäftigt war. Auf dem Territorium der sozialistischen Staaten in Europa be¬standen Teile imperialistischer Agenturen aus der Zeit von 1945.

Für den subversiven Krieg gegen die DDR war der Umstand von entscheidender Bedeutung, daß es gelang, unter Ausnutzung von Festlegungen des Potsdamer Abkommens, die Deutschland als Gan¬zes betrafen, das Gebiet der Westsektoren Berlins zu einer „Front¬stadt“ inmitten der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR auszubauen und zum größten Spionagezentrum in Europa zu machen. Dabei bot die bis zum 13. August 1961 bestehende offene Grenze zwischen Westberlin und der DDR für den Untergrundkrieg geradezu ideale Möglichkeiten.

Kenneth Strong — Eisenhowers Chief of British Intelligence — hatte zweifellos gerade diese Um¬stände im Auge, wenn er erklärte, daß im Nachkriegsdeutschland schon zu Beginn des kalten Krieges sämtliche Voraussetzungen für die Entwicklung einer regen Spionagetätigkeit vorhanden“ gewe¬sen seien.

Die den subversiven Krieg gegen die sozialistischen Staaten und speziell gegen die DDR begünstigenden Möglichkeiten hatten ihre Ursache sowohl in überkommenen bestimmten Positionen des Im¬perialismus, die in einer zeitweilig bestehenden relativen Über¬legenheit auf einigen Gebieten der umfassenden Klassenauseinan-dersetzung Ausdruck fanden, als auch in bestimmten Teilerfolgen der Initiatoren des kalten Krieges in dessen Anfangsperiode.

Ein wichtiger Umstand war dabei, daß der Imperialismus die Anfangs¬schwierigkeiten, die beim Aufbau eigener Sicherheitsorgane in den sozialistischen Staaten überwunden werden mußten, ebenso für seine konter- revolutionären Aktivitäten ausnutzte, wie die nicht unbe¬trächtlichen wirtschaftlichen Startschwierigkeiten.

Auf dem Feld der Spionage, der Sabotage und des Terrors gegen fortschrittliche Kräfte verfügte der deutsche Imperialismus über beträchtliche Erfahrungen. In der Zeit der Vorbereitung und Aus¬lösung sowohl des ersten als auch des zweiten Weltkrieges hatte die Wühltätigkeit des imperialistischen deutschen Geheimdienstes, dem die politische Intrige ebensowenig fremd war wie das Attentat, der Wirtschaftsboykott oder der bewaffnete Überfall mit völkerrechtswidrigen Mitteln, eine große Rolle gespielt. Diese historische Erscheinung wurzelte im abenteuerlichen und verbrecherischen Cha¬rakter des deutschen Imperialismus.

Obwohl am Ende des zweiten Weltkrieges ungeheuerliche Tatsachen über die Verbrechen imperialistischer deutscher Geheimdienste an das Licht der Öffentlichkeit gelangten, entging unter der Obhut der westlichen Besatzungsmächte ein großer Teil des nach West¬deutschland geflüchteten Spionage- und Terrorapparates der faschi¬stischen Wehrmacht — hier sei vor allem auf die spätere „Organisa¬tion Gehlen“ verwiesen — und der SS der gerechten Strafe.

Die subversiven Erfahrungen des imperialistischen deutschen Geheim¬dienstes im Kampf gegen die sozialistische Sowjetunion empfahlen ihn besonders in den Augen der Westmächte, als diese darangingen, die Fronten des kalten Krieges gegen den Sozialismus aufzubauen und den „Krieg im Dunkeln“ zu intensivieren. Der über den faschi¬stischen Zusammenbruch hinaus gerettete Geheimdienstapparat des untergegangenen Reiches wurde sorgfältig abgeschirmt konserviert und unter Regie und Kontrolle der USA im subversiven Krieg gegen den Sozialismus abermals zum Einsatz gebracht. Dieser Prozeß der Konservierung und Restauration erstreckte sich über die Jahre von 1945 bis l949.

Schon vor der Verkündung der Truman-Doktrin, der Gründung der NATO und der BRD erwuchs den sozialistischen Staaten und besonders der im Vorfeld der internationalen Klassenauseinandersetzung in Europa gelegenen späteren DDR ein ver¬schlagener und heimtückischer Feind. Seit eh und je verschworen in antikommunistischen Klassenhaß, widmeten sich diese Kreise erneut — diesmal unter dem Schirm der imperialistischen West¬mächte — ihrer traditionellen Aufgabe: dem subversiven Krieg ge¬gen den Sozialismus und alle anderen fortschrittlichen gesellschaft¬lichen Kräfte.

Die Geheimdienste der drei Westmächte, allen voran diejenigen der USA, übernahmen bei der Konsolidierung ihres neuen Verbündeten, der in den ersten Jahren in ihrem unmittel¬baren Auftrage tätig war, eine besondere Rolle. Die Ergebnisse ihrer subversiven Aktionen gegen die sozialistischen Staaten kamen auch den restaurativen Kräften in den Westzonen zugute — es bil¬dete sich eine Partnerschaft heraus, die, obwohl die Partner unter¬einander rivalisierten, einem einheitlichen strategischen Ziel folgte.

In den Jahren von 1945 bis 1949,50 dominierten die Aktionen re¬staurativer deutscher Kreise und ihrer Beauftragten sowie der West¬mächte gegen die antifaschistisch-demokratische Umwälzung in der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR. Die gegnerischen Kräfte stellten sich zunächst die Aufgabe, möglichst große Teile des ökonomischen Potentials des deutschen Imperialismus zu retten und eine Stabilisierung der antifaschistisch-demokratischen Ord¬nung nicht zuzulassen.

Es wurde versucht, die demokratische Boden¬reform aufzuhalten und die Enteignung der Betriebe der Nazi- und Kriegsverbrecher zu hintertreiben. Die restaurativen Kräfte führten einen zähen Kampf gegen die antifaschistisch-demokratischen Maßnahmen. Sie stützten sich dabei vorwiegend auf reaktionäre Kreise in der CDU und der LDPD, die wichtige Funktionen in den Län¬derverwaltungen bekleideten, und Konzernbeauftragte.

Daneben existierte bereits eine organisierte Schädlingstätigkeit der Geheim-dienste der Westmächte und solcher Agenten wie des „Ostbüros der SPD“ und der 1948 gegründeten, vom CIA gesteuerten „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“.

Angesichts der in der sowjetischen Be¬satzungszone vor sich gehenden gesellschaftlichen Fortschritte nah¬men die geheimdienstlichen Aktivitäten bereits in den ersten Nach¬kriegsjahren den Charakter einer konterrevolutionären Wühltätigkeit an.

Zu den seinerzeit vorherrschenden subversiven Praktiken gehörten die Verschiebung ehemaligen Konzerneigentums in die Westzonen, die Veruntreuung von Sach- und Geldwerten, die Desorganisation und vorsätzliche Mißwirtschaft, die Sabotage in den neuen volks¬eigenen Betrieben, die Industriespionage, der Diebstahl von Paten¬ten und Erfindungen, die Schmälerung der Rohstoffgrundlage durch die Schiebung und Hortung wertvoller Rohstoffe, Halbfabrikate und fertiger Erzeugnisse, die absichtliche Verschlechterung der Lebens-und Arbeitsbedingungen der Werktätigen in den volkseigenen Be¬trieben, die Fälschung von Produktionsunterlagen und vor allem schon damals die Abwerbung von Fachleuten, die in dieser schweren Zeit nicht ersetzt werden konnten.

Eine besondere Rolle spielte die großangelegte Verschiebung von Buntmetallen, wie Kupfer, Mes¬sing, Zink, Blei und Bronze, die für den Wiederaufbau der in der sowjetischen Besatzungszone schwer zerstörten Volkswirtschaft von lebenswichtiger Bedeutung waren. Fast 80 Prozent aller 1949/50 in der DDR registrierten Straftaten waren Buntmetalldiebstähle. So wurde am 23. Januar 1950 in Berlin-Friedrichshain ein illegales Buntmetallager im Werte von rund 500 000 DM ausgehoben. Bis zum 31. März 1950 wurden 5 500 Tonnen Buntmetall sichergestellt, die der Volkswirtschaft durch Hortung und Schiebung entzogen werden sollten.

Die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik hatte für den weiteren Verlauf der Auseinandersetzung zwischen den revolu¬tionären und den konterrevolutionären Klassenkräften entscheidende Bedeutung. Sie demonstrierte, daß die restaurativen Kreise in der früheren sowjetischen Besatzungszone, die ihre politische Stütze in bestimmten Gruppen in der CDU und der LDPD hatten, isoliert und die Konzeption Jakob Kaisers und seiner Parteigänger von einer kapitalistischen Restauration in allen Besatzungszonen endgültig ge¬scheitert war.

Eine solche Entwicklung offensichtlich frühzeitig einkalkulierend, hatten Beauftragte der Konzerne Ende der vierzi¬ger Jahre die illegale Auslagerung des ehemaligen Konzernbesitzes aus der sowjetischen Besatzungszone in die Westzonen erheblich fordert.

Ein Beispiel dafür war die Schädlingstätigkeit der beiden Konzernagenten Brundert und Herwegen, die im Auftrage der ehe¬maligen „Deutschen Continental-Gas-AG“ umfangreiche Wirtschaftsverbrechen dieser Art begangen hatten.

Von Brundert und Herwegen waren Werte von mehr als 100 Millionen DM nach dem Westen verschoben worden. Im Dezember 1950 standen in der DDR 10 frühere Konzern-Direktoren und leitende Angestellte der Landes-regierung Sachsen-Anhalt wegen Sabotage sowie wegen der Ver¬schiebung von Sachwerten und Betriebsunterlagen und vorsätzlicher Mißwirtschaft vor Gericht. Die Angeklagten waren Beauftragte der ehemaligen „Deutschen Solvay-Werke AG“ und des IG-Farben-Kon¬zerns. Der Wirtschaft der DDR hatten sie einen Schaden von weit über 100 Millionen DM zugefügt.

In der Landwirtschaft war die Erscheinung zu beobachten, die Demokratisierung der genossen¬schaftlichen Organisationen auf dem Lande zu verhindern und Sach¬werte früherer kapitalistischer Genossenschaften zu verschieben.

Seit dem Frühjahr 1949 war ein spürbares Zunehmen der subver¬siven Aktionen in diesem Sektor der Volkswirtschaft festzustellen. So deckte die Landeskommission für staatliche Kontrolle in Meck¬lenburg am 28. Juni 1950 organisierte Umtriebe des Klassengegners in der Landwirtschaft auf und stellte fest, daß Werte in Höhe von 30 Millionen DM von Wirtschaftsschädlingen in das Gebiet der Bundesrepublik verbracht worden waren.

Im Jahre 1950 richtete sich die Wühltätigkeit gegen die Durchfüh¬rung der ersten Volkswahlen in der DDR. Die gegnerischen Aktio¬nen konzentrierten sich in verstärktem Maße auf die Sprengung des Blocks der Parteien und Massenorganisationen. In der DDR ver¬bliebene Anhänger der bereits weitgehend ausgeschalteten reaktio¬nären Kräfte in der Führung der CDU traten letztmalig offen in Er¬scheinung.

Unmittelbar vor den Wahlen kam es zu einzelnen schwe¬ren Terrorakten. In der Gemeinde Borna bei Leipzig steckten feind¬liche Elemente am 14. Oktober mit Hilfe ausgelegter Brandsätze gleichzeitig die Ställe von 13 Neubauernhöfen an.

Anfang der fünfziger Jahre baute der Imperialismus das Arsenal der Subversion und der ideologischen Diversion gegen den Sozia¬lismus im Komplex aus. Bis zur Mitte der fünfziger Jahre entstand auch in der BRD ein umfassendes System von Geheimdiensten.

Der unter dem Schirm der USA reorganisierte Geheimdienst des Gene¬rals Reinhard Gehlen stand nun als „Bundesnachrichtendienst“ (BND) der Regierung der Bundesrepublik zur Verfügung. Neben den BND trat das „Bundesamt für Verfassungsschutz“ (BfV).

Be¬schäftigte sich der BND vorwiegend mit der Auslandsspionage und Subversion gegen die sozialistischen Staaten, so übernahm das BfV die Sicherung der Innenpolitik der Adenauer-Regierung, bespitzelte und verfolgte politische Gegner wie die Kommunistische Partei Deutschlands, aber auch Andersdenkende und Unzufriedene im bürgerlichen Lager.

Seit 1956 vervollständigte mit der Bildung der Bundeswehr der „Militärische Abschirmdienst“ (MAD) als militäri¬scher Geheimdienstzweig mit inneren und äußeren Aufgaben das geheimdienstliche Netz der BRD.

Neben diesen offiziellen staat¬lichen Institutionen waren schon früher subversive Organisationen entstanden, für deren Gründung der Geheimdienst der USA ver¬antwortlich zeichnete und die äußerlich den Status privater Ver¬eine trugen. Das betraf den „Untersuchungsausschuß freiheitlicher Juristen, e. V.“ und die bereits genannte „Kampfgruppe gegen Un¬menschlichkeit, e. V.“, die beide im subversiven Krieg gegen die DDR eine besondere Rolle spielten.

Die sogenannten Ostbüros der SPD, CDU und FDP stellten parteipolitisch orientierte Institutionen dar.

Das vom „Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen“ unterhaltene „Informationsbüro West“ (IWE) war die hauseigene Spionageagentur dieses Ministeriums. Der amerikanische Sender RIAS“ („Rundfunk im amerikanischen Sektor“), der unter ame¬rikanischer Regie stand, dessen Sendungen aber von einem deut¬schen Mitarbeiterstab verfaßt wurden, schaltete sich seit der soge¬nannten Berlin-Krise 1948 aktiv in den kalten Krieg gegen die spä¬tere DDR ein, er erfüllte sowohl subversive als auch Aufgaben der ideologischen Diversion. In den Westsektoren Berlins entstand ein regelrechter Spionagedschungel.

Zu den Einrichtungen, die sich der antisozialistischen Propaganda widmeten, zählten neben solchen Unternehmen wie „Die Stimme Amerikas“ („The voice of america“) die in der Bundesrepublik sta¬tionierten Großsender „Radio Free Europe“ und „Radio Liberty“. In den kalten Krieg im Äther schalteten sich auch der Londoner Rundfunk mit deutschsprachigen Sendungen, der „Sender Freies Berlin“ und die „Deutsche Welle“ ein.

In einer Artikelserie der Springer-Zeitung „Die Welt“ gab der amerikanische Ideologe James Burnham 1950, die Vernichtung des Sozialismus fordernd, als Hauptrichtung für die kommenden Jahre die »Intensivierung der Unter-grundmethoden“ an und formulierte damit die allen Unternehmen der Subversion und Diversion übertragenen Hauptaufgaben.

Unter den »Untergrundmethoden“ verstand er die Zersetzung auf militä¬rischem Gebiet, die konterrevolutionäre Propaganda, die Bildung von Untergrundorganisationen, die Unterminierung der Gewerk¬schaften und die Verhetzung der Umsiedler.

Der Hauptstoß im kalten Krieg richtete sich nun immer stärker gegen die gesamte Volkswirtschaft der DDR. Die volkseigenen Be¬triebe der Metallurgie und des Schwermaschinenbaus, vor allem die neuerrichteten Werke, durch deren Aufbau die DDR ihr wirt¬schaftliches Eigengewicht gegenüber der BRD zum Tragen brachte, wurden zu Schwerpunkten für die Subversion.

Im Mai 1952 ver¬kündete das Oberste Gericht der DDR das Urteil im Prozeß gegen die Agentengruppe der „Bluthunde“, die konterrevolutionäre Hetze betrieben und die Sprengung eines Hochofens im Eisenhüttenkom-binat Ost vorbereitet hatte. Als bedeutendstes Objekt des 1. Fünf¬jahrplanes war das EKO in ganz besonderem Maße das Ziel sub¬versiver Angriffe.

Rückblickend erklärte dazu der Sekretär der Betriebsparteiorganisation der SED im Kombinat am 27. Juni 1969:
„Die Skala der Feindarbeit reichte von Flugblattaktionen, Hetzlosun¬gen, Verleumdungen und Verunglimpfungen bis zur Brandstiftung, Sabotageakten beim Aufbau und im produzierenden Werk durch bezahlte Agenten. Es ist nahezu lückenlos datumsweise nachzuwei¬sen, wie der Klassengegner in der ersten Zeit bei politischen Höhe-punkten an Schwerpunktobjekten unseres Werkes Sabotageakte ver¬übte.“

Ein weiteres Beispiel für die gegnerische Wühltätigkeit in den Metallurgie- und Schwermaschinenbaubetrieben zeigte der Pro¬zeß gegen eine Gruppe von Spionen vor dem Landgericht Rudol¬stadt im Juni 1952.

Die Agenten hatten dem „Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen“ Produktionsgeheimnisse der Maxhütte Unterwellenborn ausgeliefert.

In der Landwirtschaft konzentrierte sich die Schädlingstätigkeit auf die volkseigenen Güter und die ersten landwirtschaftlichen Produk¬tionsgenossenschaften. Es kam zu Fällen schwerer Sabotage der tierischen Produktion durch Brandstiftungen und die Vergiftung von Vieh sowie zu terroristischen Überfällen auf fortschrittliche Bürger.

Der Klassengegner suchte in der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) durch gezielte Veruntreuungen und Mißwirt¬schaft Schaden zu stiften und vor allem die wirtschaftlich stabilen Mittelbauern, die auf dem Lande längere Zeit eine relativ breite Schicht darstellten, vom Eintritt in die landwirtschaftlichen Produk-tionsgenossenschaften abzuhalten. Dabei fanden sich Helfer unter den Großbauern, von denen manche ihre wirtschaftlichen Positionen und ihren Einfluß im Dorf aufboten, um die sozialistische Umge¬staltung der Landwirtschaft zu bremsen. In einer Reihe von Fällen hatten hier auch direkte Sabotagehandlungen ihren Ausgang.

Seit Mitte des Jahres 1952 nahm die imperialistische Wühltätigkeit in der DDR weiter zu. Die Beschlüsse der 2. Parteikonferenz der SED über den planmäßigen Aufbau des Sozialismus in der DDR wurden zum Anlaß genommen die antisozialistischen Aktivitäten zu verstärken. Die Schädigung der Energiewirtschaft der DDR nahm großen Umfang an.

Durch grobe Verstöße gegen die Sicherheits¬vorschriften, falsche Eintragungen in den Wetterbüchern, die Unter-lassung einer Brandmeldung, das Abschalten eines Ventilators und die Verhinderung der Räumung einer Nebenabteilung kam es im „Martin-Hoop-Schacht“ des Zwickau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers zu einer Katastrophe, die 48 Bergleuten das Leben kostete.

Am 3. Februar 1953 deckte das Politbüro des ZK der SED in einem Beschluß Versuche zur Sabotierung der Kohlewirtschaft auf. Unter den Schädlingen befanden sich eine Gruppe leitender Angestellter in der Hauptverwaltung Kohle, in der VVB Steinkohle sowie leiten¬des Personal aus den Schächten des Zwickau-Oelsnitzer Steinkohlen¬reviers. Durch verschiedene Maßnahmen, z. B. durch eine systema¬tische Verringerung der Abbaufronten, hatte man die Kohleproduk¬tion regelrecht gedrosselt.

Auch in den Handelsorganen der DDR waren verbrecherische Ele¬mente am Werk, die den seinerzeit noch spürbaren Mangel einer umfassenden staatlichen Kontrolle für Schiebungen ausnutzten und durch Mißwirtschaft vorsätzlich Versorgungslücken in Waren des täglichen Bedarfs herbeiführten.

So deckte man im Winter 1952 im Ministerium für Handel und Versorgung Warenschiebungen großen Umfangs auf, die mit Desorganisation der Arbeit zur Ver¬sorgung der Bevölkerung einhergingen. Wie auf der 13. Tagung des ZK der SED (13.114. Mai 1953) festgestellt worden war, wurden „von der alten Leitung des Ministeriums für Handel und Versor¬gung Tausende Tonnen Zucker nach Westberlin verschoben und konnten daher nicht für die Versorgung der Bevölkerung bereitge¬stellt werden.

Für die Eskalation des Untergrundkrieges gegen die DDR, die im Juni 1953 in der Auslösung eines konterrevolutionären Umsturzversuches gipfelte, hatte kein anderer als USA-Außenminister John Foster Dulles grünes Licht gegeben.

Schon am 27. August 1952 hatte John Foster Dulles auf dem Jahreskongreß der American Political Science Association unmißverständlich dazu aufgefordert, „einem Umsturz im Inneren des Sowjetreichs herbeizuführen““. Dul¬ies empfahl die Anwendung einer breiten Skala von Subversions- und Diversionsmethoden, so die Illoyalität, den passiven Wider¬stand, die Sabotage in der Industrie und die Entfachung von Unzu¬friedenheit. Die Parole „Arbeite langsam“ sollte massenhafte Ver¬breitung finden. In diesem Sinne sollte die „Stimme Amerikas“ ihre Sendungen durchführen und verstärken. Gegenüber den sozia¬listischen Staaten fand dieses Programm seinen Ausdruck in der Politik der „liberation“, die in Bonn als eine Politik zur „Befreiung der Zone“ verstanden wurde.

Dem Instrumentarium des subversiven Krieges wurde die Aufgabe erteilt, durch den konterrevolutionären Untergrundkrieg, die ideo¬logische Diversion, Wirtschaftskrieg und politischen Boykott sowie durch andere geeignete Maßnahmen des forcierten kalten Krieges in den sozialistischen Staaten eine solche Situation herbeizuführen, in der die Inszenierung konterrevolutionärer Umsturzversuche Er¬folg versprach. Bis Ende der fünfziger Jahre blieb dieses Programm, mit dessen Hilfe der Sozialismus „zurückgerollt“ werden sollte, be-stimmend.

Aus der subversiven Tätigkeit jener Jahre nachstehend einige Bei¬spiele: Am 16. Februar 1955 stehen die neuerbauten Sendesäle des Staatlichen Rundfunkkomitees in Berlin-Oberschöneweide in Flam¬men.

14 Menschen erleiden bei den Löscharbeiten schwere Verlet¬zungen, es entsteht ein Sachschaden von rund 2 Millionen DM. Der Rundfunkingenieur Arno Baade, ein Agent des Geheimdienstes der USA, hatte in das Kanalsystem der Klimaanlage Brandsätze ein¬gebaut.

Im gleichen Jahre verurteilt das Oberste Gericht der DDR den Agenten des Bundesnachrichtendienstes Johann Baumgart, Bri¬gadeleiter bei der Deutschen Reichsbahn, zu einer Zuchthausstrafe von 15 Jahren. Auf 200 Fahrten zwischen Frankfurt (Oder) und Brest-Litowsk hatte Baumgart in der VR Polen Wirtschafts- und Militärspionage betrieben und die Ergebnisse in 25 Berichten an seine Auftraggeber weitergeleitet. In den Berichten hatte er detaillierte Angaben über Zugfolgen, Zuglängen, Ladungen, den Zu¬stand von Brücken und Bahnstrecken, die Lage von Bahnhöfen, über Neubauten, Militärtransporte und Flugplätze gemacht.

Am 22. April 1956 läuft eine sensationelle Nachricht um die Welt: Bei der Ort¬schaft Altglienicke in der Hauptstadt der DDR, nahe der Rudower Chaussee ist ein unterirdischer Nachrichtentunnel ausgehoben wor¬den, der von den Berliner Westsektoren aus auf DDR-Gebiet vor-getrieben worden war. Mit modernsten elektronischen Anlagen hat¬ten die Wühlmäuse des CIA Nachrichtenkabel der Sowjetarmee und staatlicher Stellen der DDR angezapft und die so gewonnenen In¬formationen gespeichert. Daß die westlichen Geheimdienste mit diesem Tunnel eine doppelte Pleite erlitten hatten, wurde allerdings erst Jahre später offenbar, als bekannt wurde, daß die sowjetischen Sicherheitsorgane bereits von dem Bauvorhaben informiert worden waren, da einer ihrer Kundschafter bei der Erörterung des Projektes zugegen war.

Bei der Planung und Führung des Untergrundkrieges setzte der Imperialismus trotz der Schlappe von 1953 in der DDR auf die in den sozialistischen Staaten noch vorhandenen antisozialistischen und konterrevolutionären Kräfte, die er in ihm günstig erscheinenden Situationen durch die Zuführung von Agenten und Provokateuren von außen zur Auslösung konterrevolutionärer Aktionen zu bewe¬gen suchte. Der Frontalangriff gegen drei sozialistische Staaten, die VR Ungarn, die VR Polen und die DDR, im Herbst 1956 lieferte dafür augenscheinliche Beweise. Der blutige Terror der Konter¬revolution in der Volksrepublik Ungarn demonstrierte zugleich den imperialistischen Modellfall für das Umschlagen des Untergrund¬krieges in den bewaffneten Umsturzversuch.

In der DDR war im Sommer 1956 ein ausgedehnter Spionagering des CIA aufgeflogen, vom Januar bis zum November stellte man hier mehr als 8 500 Ballons mit 12 Millionen Aufrufen zum Sturz der Volksmacht sicher. Die Rechnung, in der DDR abermals einen konter¬revolutionären Umsturz auszulösen, ging nicht auf.

In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre zeichnete sich eine Ver¬änderung der Konzeption für die imperialistischen Geheimdienste ab. Die Bemühungen für die Auslösung von Umsturzversuchen in den sozialistischen Staaten traten als Kombination von militäri¬schem Druck und subversiver Tätigkeit in Erscheinung.

In der Bundesrepublik erlangten bei diesen Überlegungen der Aufbau der Bundeswehr und die Integration der militärischen Verbände in die NATO Bedeutung. Die Bundesregierung war bestrebt, in Europa eine Situation der scharfen Konfrontation und der Spannungen aufrechtzuerhalten.

Grenzzwischenfälle und Provokationen waren an der Tagesordnung. Westberlin wurde zu einem Zentrum explosiver Spannungen inmitten der DDR. Die von hier ausgehende Militär-und Wirtschaftsspionage diente immer mehr der Vorbereitung eines militärischen Überfalls. Die Abwerbung von DDR-Bürgern stieg ins Unerträgliche.

Terroristische Brandstiftungen, wie der Anschlag auf die bekannte Seebrücke in Heringsdorf am 23. Juni 1958, bei dem 14 Geschäfte durch ein Großfeuer vernichtet wurden, sollten Unruhe und Verwirrung unter der Bevölkerung um sich greifen lassen. 1961 mehrte sich die Zahl der offenen Provokationen. Die Zahl der Grenzzwischenfälle an den Land- und Seegrenzen der DDR stieg von Mai bis Juli 1961 von 64 auf 106, völkerrechtswidrige Einflüge in den Luftraum häuften sich. In unmittelbarer Nähe der Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR nahmen die Feiern zum Gedenken an die „Opfer des 17. Juni“, an denen nicht selten Einheiten des Bundesgrenzschutzes teilnahmen, einen demon¬strativ-provokatorischen Charakter an.

Im Publikationsorgan des Nordatlantikpaktes „Allgemeine Militärrundschau“ war im Frühjahr 1961 zu lesen: Der kalte Krieg mit den vielfältigen Mitteln der Infiltration, der Subversion und des revolutionären Staatsumsturzes wird in absehbarer Zeit seine wei¬tere Verschärfung finden.“ Militärischen Plänen der NATO ent¬sprechend, konzentrierte man die subversive Tätigkeit auf die Hauptstadt der DDR sowie die angrenzenden Bezirke Frankfurt/ Oder und Potsdam.

In öffentlichen Gebäuden in Berlin, darunter in der Humboldt-Universität, wurden Brandsätze zur Entzündung ge-bracht, im VEB Vieh- und Schlachthöfe brannte durch einen Sabo¬tageakt eine Produktionshalle aus. In der Molkerei Strausberg bei Berlin öffneten verbrecherische Elemente nach Betriebsschluß die Absperrventile von Milchbehältern.

Der Imperialismus hatte Kurs auf die Einverleibung der DDR im Ergebnis einer militärisch-subversiven Aktion der NATO genom¬men, die, wie man sich einig war, als eine Art „innerdeutsche Poli¬zeiaktion“ ablaufen sollte.

Die Maßnahmen der Staaten des Warschauer Vertrages vom 13. August 2961 setzten diesen gefährlichen Bestrebungen rechtzei¬tig und schlagartig einen festen Damm entgegen. Dem Untergrund¬krieg gegen die DDR und die anderen sozialistischen Staaten wurde durch die Schließung der faktisch offenen Grenze zur Hauptstadt der DDR ein empfindlicher Schlag versetzt.

Der Stellenwert des Subversions- und Provokationszentrums Westberlin in den imperia¬listischen Plänen fiel rapide. Die zahlreichen für den Untergrundkrieg gegen den Sozialismus geschaffenen Organisationen sahen nun hinter der befestigten Staatsgrenze der DDR wie in einer Falle — Westberlin hatte die ihm zugewiesene Funktion des „Brüc¬kenkopfes“, des „Pfahles im Fleische der DDR“ verloren.

In den fünfziger und sechziger Jahren spielten […] zahlreiche subversive Orga¬nisationen und Institutionen eine besondere Rolle. Dazu gehörten die „Ostbüros“ der SPD, FDP und CDU und der Bundesnachrich¬tendienst.

Spionagenachrichten sammelte das .‚Informationsbüro West“ des „Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen“. Vor¬wiegend vom Geheimdienst der USA angeleitet und kontrolliert wurden der „Untersuchungsausschuß freiheitlicher Juristen, e.V.“ und die .‚Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit. e. V.“ — beide Or¬ganisationen beschäftigten sich mit der Sabotage und Spionage, dem konterrevolutionären Terror und der ideologischen Diversion. Auch der „RIAS“ gehörte hierzu.

Da ein militanter Antikommunismus als Bindeglied fungierte, war die Verschiedenartigkeit der Auftrag¬geber, d. h. Bundesregierung oder westliche Geheimdienste, im Ge¬gensatz zu neueren bürgerlichen Darstellungen, von zweitrangiger Bedeutung.

In enger Nachbarschaft zu diesen Subversionsorganen befanden sich die verschiedenen Organisationen, die sich mit dem psychologischen Krieg befaßten, beispielsweise die „Vereinigung der Opfer des Sta¬linismus“, „Rettet die Freiheit, e. V.“, der „Arbeitskreis 17. Juni“ oder die „Arbeitsgemeinschaft 13. August» (letztere wurde nach dem 13. August 1961 gegründet).

Hervorzuheben ist dabei, daß das „Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen“ und seine Einrich¬tungen in Westberlin als Arbeitspartner und Koordinierungszentrum für alle diese Organisationen eine entscheidende Rolle gespielt hat und in dieser Eigenschaft auch im Untergrundkrieg gegen die DDR hervortrat.

Quelle: Hans Teller – „Der Kalte Krieg gegen die DDR“ Akademie – Verlag Berlin, 1979