BRD-Organisationen im Kalten Krieg gegen die DDR Teil 1

Der Bundesnachrichtendienst

Der Bundesnachrichtendienst (BND), über dessen Geschichte, Tätig¬keit, Aufgabenstellung und Struktur in der Literatur der DDR be¬reits spezielle Untersuchungen vorliegen, ist seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland deren offizielle staatliche Geheim¬dienstorganisation.

Dem Bundeskanzleramt unterstellt, verfügt er über zum Teil er¬hebliche Einwirkungsmöglichkeiten auf die Entscheidungen der Re¬gierung und der im Bundestag vertretenen Parteien. Der BND führt Aufträge der Regierung aus, er ist, wie von offizieller Seite erklärt wird, über seine Tätigkeit der Bundesregierung rechenschaftspflich¬tig — wobei man zum letzteren allerdings sagen muß daß der BND sich in seiner Praxis nie viel aus dieser Kontrollbefugnis des bürger¬lich-parlamentarischen Systems in der BRD gemacht hat.

Schon zu Beginn der fünfziger Jahre. als sich die Bundesrepublik noch stark unter der Regie der USA befand, wurde die gegen die DDR und die anderen sozialistischen Staaten betriebene Politik des kalten Krieges zu einem nicht unwesentlichen Teil über den BND realisiert.

Zwischen Kanzler Adenauer und dem ehemaligen Gene¬ral Reinhard Gehlen aus der Abteilung „Fremde Heere Ost“ des Generalstabes der faschistischen Wehrmacht bestand spätestens seit 1949 ein vertrautes Verhältnis. Das erste förmliche Amtsgespräch des Bundeskanzlers mit Gehlen fand am 20. September 1949 unmit¬telbar nach der ersten Kabinettssitzung statt.

Zwei BRD-Journali¬sten, die in diesem Zusammenhang von einer „unheilige (n) Allianz zwischen Geheimdienst und Staatspartei“ sprechen, führen auch die Gründe für diese Eile an. Danach „stimmten Adenauer und Gehlen in der politischen Lagebeurteilung überein: Beide rechneten mit der Möglichkeit eines Krieges zwischen West und Ost beide sahen Westdeutschland von einer fünften Kolonne des Kommunismus be¬droht“.

Die Unentbehrlichkeit des BND für die Bundesregierung und die Westmächte resultierte vor allem aus den folgenden Fakto¬ren:

— der ‚.zuverlässigen“ faschistisch-militaristischen Vergangenheit Reinhard Gehlens und der von ihm in die Pullacher Zentrale eingebrachten. aus den Reihen der früheren „Abwehr“ und des SD rekrutierten Kader;

— der besonderen Unterstützung durch die USA-Geheimdienste, denen sich Gehlen durch die Übergabe seiner Agenturen empfoh¬len hatte;

— der Möglichkeit, mit Hilfe der weitgehend intakt gebliebenen Geheimdienstorganisation das subversive Netz auf dem Territo¬rium der sozialistischen Staaten in Europa zu reorganisieren bzw. neu aufzubauen, d. h. in kurzer Zeit einen neuen imperialistischen deutschen Geheimdienst zu schaffen, der im kalten Krieg gegen den Sozialismus eine tragende Rolle übernehmen konnte;

— der Unentbehrlichkeit der Organisation Gehlen für die BRD auf dem Gebiet der antidemokratischen Innenpolitik, d. h. der Ver¬folgung der KPD und der Einschüchterung oppositioneller Kräfte;

— dem besonderen Wert dieses Geheimdienstorgans für den Bundes¬kanzler, da dieser über die Organisation Gehlen seine „Politik der einsamen Entschlüsse“ über Bespitzelungskanäle und die Kenntnis von Amts- und Parteiinterna bequemer durchsetzen konnte.

Auf der Basis einer völligen Übereinstimmung von Bundesregie¬rung und Geheimdienst in allen entscheidenden Fragen des kalten Krieges baute Reinhard Gehlen seine Agentur, die bald auch als „Org“ bezeichnet wurde, auf.